XR-Datenschutz-Framework für die Mixed-Reality-Branche veröffentlicht

Ein fundiertes Regelwerk zum Datenschutz für VR- und AR-Unternehmen ist ab sofort frei zugänglich. Schränken sich Facebook und Co. beim Datensammeln freiwillig ein?
Die Non-Profit-Organisation XR Safety Initiative veröffentlicht mit dem XRSI Privacy Framework ein Basis-Regelwerk zum Datenschutz für Mixed Reality. Unternehmen wie Facebook sollen immersive Technologien verantwortungsbewusst nutzen, anstatt Werkzeuge zum Sammeln personenbezogener Daten zu entwickeln.
XR-Datenschutz zur freien Verfügung
Die Expertengruppe der Organisation setzt sich aus über dreißig Ingenieuren und Führungskräften aus der XR-Industrie, Journalisten und Anwälten zusammen. Open AR Cloud, die Universität von Michigan und das Georgia Institute of Technology halfen ebenfalls bei der Erstellung des 45-seitigen Regelwerks. Das liegt nun in seiner ersten Fassung vor und soll laufend aktualisiert werden.

VR-Brillen von Oculus sollen künftig nur noch in Verbindung mit einem Facebook-Konto genutzt werden können. | Bild: Oculus VR / Facebook
Das kostenlos abrufbare XRSI Privacy Framework enthält Vorschriften und Richtlinien für Datenschutzbeauftragte und drängt XR-Unternehmen zu einem verantwortungsbewussten Einsatz ihrer Technologien. Es umfasst Datenschutzanforderungen, die aus verschiedenen nationalen und internationalen Datenschutzverordnungen, darunter die europäische Datenschutz-Grundverordnung, hervorgehen.
Die Initiative will Verantwortlichkeit und Vertrauen für immersive Technik schaffen und bezeichnet die Einführung solcher Rahmenbedingungen als dringend notwendig. Weder Endverbraucher noch Hersteller seien sich derzeit über die Folgen der XR-Nutzung und der Auswirkungen auf persönliche Daten in der digitalen und physischen Welt bewusst.
Mehr Datenschutz in VR & AR: Spielen Facebook und Co. mit?
Mobile Geräte von der Smartwatch bis zu Facebooks autarker VR-Brille Oculus Quest (Test) erfassen – ja nach technischer Grundlage – jede Menge biometrische Daten über ihre Nutzern. Augen-, Hand- und Körperbewegungen lassen sich von Werbeunternehmen für interessante Rückschlüsse verwenden, die zur Optimierung personalisierter Werbung einsetzen könnten. Schon 2016 zeigte sich Stanfords VR-Professor besorgt um die Privatsphäre in der Virtual Reality.
Beim Nutzen von Webseiten und Apps seien sich die Menschen durchaus bewusst, dass sie gerade einen Medienservice nutzen und würden ihr Verhalten entsprechend anpassen. In einer VR-Umgebung hingegen fühle man sich schneller zu Hause. Das Verhalten gleiche dann eher dem, in den eigenen Vier Wänden. Jeremy Bailenson, Leiter des Virtual Human Interaction Lab, nennt das die “Illusion von Privatheit“.
Es ist mehr als zweifelhaft, ob sich AR- und VR-Riesen wie Facebook, HTC oder Valve dieser Initiative anschließen. Aussagen der Unternehmen dazu gibt es keine, aber gerade Facebooks Geschäftsmodell basiert eben auf der Gewinnung und Verwertung von Nutzerdaten. Erst kürzlich gab das Unternehmen einen Facebook-Konto-Zwang für Oculus-Geräte bekannt und erntete dafür teils heftige Kritik. Was Facebook damit auf lange Sicht vorhaben könnte und was das mit Künstlicher Intelligenz zu tun hat, haben wir im verlinkten Artikel besprochen. Und deshalb werden löbliche Initiativen wie das XRSI Privacy Framework auch künftig einen schweren Stand haben.
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Filed under: Augmented Reality,Business,facebook,Social,Virtual Reality,Wandel,XR-News - @ 13. September 2020 14:37